Erben der Drachenburg

Geschichten aus Golarion, Astani und Faerun

Die Dvezdamarsch

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Die unbeanspruchte Wildnis von Iobarias Nordwesten besitzt viele Namen. Seit Jahrhunderten gehört sie zu keinem einzelnen Königreich und ihre Bewohner beugen sich keinem König. Manche Einheimische des Westens bezeichnen die Region als Alt – Koloran nach dem uralten Namen, den die Zyklopen der Region gegeben haben. Andere nennen sie die Wildnis, die Hexenlande (in Bezugnahme auf die Statuen von Khasakh) oder auch die Pestlande. Diejenigen, die dort leben, nennen das Gebiet aber die Dvezdamarsch nach einer Gruppe von Zentauren, welche die diversen Klans der Region geeint und die ganze Region als ihr Revier beansprucht hat, dann aber fast vollständig von einer der vielen Seuchen ausgerottet wurde, welche das Land verheeren. Die Dvezda waren eine starke und kluge Zentaurenunterart mit auffällig geschecktem Fell. Solche Zentauren werden nun nur noch sehr selten geboren, doch wenn es dazu kommt, werden sie als „Verlorene Dvezda“ bezeichnet.

Dieses Land ist wahrlich wild und die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, auf andere Menschen zu stoßen. Geschieht es dennoch, ist der andere in der Regel ein fremder Abenteurer, der nach Schätzen sucht. Äußerst selten stößt man auf verlassene Bauernhöfe oder kleine Geisterstädte. Die einzigen interessanten Orte sind die zahlreichen Zyklopenruinen, auf die man überall stößt. Der Anblick solcher Ruinen führt Schatzsucher in große Versuchung, weise Reisende wissen aber, solche Gebiete zu umgehen, da dort monströse Bestien, Räuber, hungrige Geister und verfluchte, untote Zyklopen lauern.

Iobaria wird immer wieder von Seuchen heimgesucht. Im Laufe der Jahrhunderte haben diverse Krankheiten Tausende getötet, menschliche Zivilisationen zusammenbrechen lassen, die meisten Drachen ausgelöscht und nahezu eine komplette zentaurische Bevölkerungsgruppe ausgerottet. Die Seuche, die die Zentauren getötet hat, trägt ihren Namen und wird heute als die Dvezdapest bezeichnet. Die meisten Zentauren der Region haben zwar eine Resistenz gegen die Seuche entwickelt, allerdings gibt es immer noch Gebiete, in denen Besuchern eine Ansteckung droht.

Als die Seuchen die Dvezdamarsch heimsuchten, flohen die Leute in einem Massenexodus nach Westen. Manche blieben aber, weil sie zu alt oder zu schwach für die Reise waren oder ihren erkrankten Lieben nicht im Stich lassen wollten. Niemand weiß wirklich, was aus all diesen Leuten wurde, doch kleine Stämme ihrer Nachkommen durchstreifen nun die östliche Steppe als Nomaden, die sich nirgends lange niederlassen, aus Angst, sich mit irgendeiner Seuche anzustecken. Sie ziehen umher, stellen jeden Abend ihre großen, aus Tierhäuten gefertigten Zelte auf, folgen den Herdentieren und leben von den Ressourcen, die sie aus dem kargen, kalten Boden gewinnen können. Da es neben dem Myrfrus keine nennenswerten Gewässer im regenarmen Iobaria gibt und Bäche und Teiche weit verstreut liegen, ist der Boden dünn, unfruchtbar und felsig.

Auch wenn das heutige Leben in der Region hart und grimmig ist, gibt es überall Überreste und Hinweise auf uralte Zivilisationen. Die Ruinen der gewaltigen Steinstädte, aufragenden Brücken und mächtigen Festungen, die von der einst glorreichen und furchtbaren Zyklopenzivilisation Koloran übriggeblieben sind, wirken wie große, kalte und schlafende Riesen inmitten der Steppenlandschaft. Nach Kolorans Niedergang zerfiel die Region im Chaos, während die Seuchen die Bewohner des Landes verschlangen.

Die einzigen zivilisierten Kreaturen in diesem Teil Iobarias sind die Zentauren, welche auch als „Herren der Marsch“ bezeichnet werden. Die wichtigsten und größten Stämme sind hier die Raschalka – Zentauren, die den Hufwald und seine Umgebung bewohnen. Sie sind die zivilisiertesten und zugänglichsten der iobarischen Zentauren. Die Azorva – Zentauren sind kräftiger gebaut und muskulöser; sie leben in den Bergen westlich der Dvezdamarsch. Eine dritte Gruppe, die Tsolniva – Zentauren, lebt in der harschen östlichen Eissteppe. Sie sind die gefährlichsten und barbarischsten Zentauren und führen nicht selten große Raubzüge gegen die Gebiete rund um den Hufwald und dessen Region. Die nächste zivilisierte Ortschaft, die Hafenstadt Mirnbucht, liegt über 350 Kilometer südlich an der Küste der Kastrovischen See im Westen der Mündung des Myrfrus.

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