Erben der Drachenburg

Geschichten aus Golarion, Astani und Faerun

Aus der Bibliothek der Drachenburg

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Weihnachten in der Drachenburg

 

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann wir diesen Brauch einführten. Ich weiß nur noch daß es der DMP war der und auf diese Idee brachte. Er ist ein gern gesehener Gast auf unserer Burg und irgendwie ist er immer da, obwohl auch irgendwie nicht da ist. Es muß wohl vor drei oder vier Jahren gewesen sein, als er von einer seiner langen Reisen zurückkam, die er in regelmäßigen Abständen unternahm, um die fremdesten Kulturen und die entferntesten Welten zu erkunden. Wir liebten es, wenn er zu uns kam und uns die Geschichten erzählte, die er erlebt hatte. In dem besagten Jahr kam er in der Zeit nach Hause als die Tage am kürzesten und die Nächte am längsten waren. Der Winter war bereits eingekehrt und wir erholten uns von einer unserer Reisen. Wir hatten uns mit Feuerholz und Proviant für den Winter eingedeckt, der wenn man den alten Leuten glaubte ein sehr langer und strenger werden sollte. Der DMP hatte wieder mal eine fremde Kultur besucht und einen ihrer fremden Bräuche mitgebracht. Er nannte es Weihnachten und wir waren sofort begeistert davon und beschlossen diesen Brauch zu dem unseren zu machen. So war es also, das wir jedes Jahr am Abend nach dem kürzesten Tag im Jahr dieses Fest wie er es nannte feierten.

 

„Hast du schon den Baum besorgt“ fragte Mareck, der zusammen mit Elk in Eßzimmer saß und das Frühstück verspeiste. „Nein“ antwortete ich aber ich will mich gerade aufmachen. „Aber bring nicht wieder einen so mickerigen an wie letztes Jahr“. „Ja, ich weiß Bescheid“ sagte ich, etwas beleidigt. In der Tat war ich gerade dabei mein Holzfällerbeil hervorzuholen und mich aufzumachen um einen Baum zu besorgen, der bei dem Fest heute abend unser Eßzimmer schmücken sollte. Der Baum, meist eine mächtige Tanne, gehörte zum Fest dazu. Er wurde in eine von Mareck speziell für diesen Zweck angefertigten Baumständer gestellt und verkeilt. Doch dazu später mehr.

 

Nachdem ich alle meine Sachen zusammen gepackt hatte und meine warme Winterkleidung angezogen habe, machte ich mich also auf zu den Pferdeställen um mir einen Wagen zu besorgen, mit dem ich den Baum holen konnte. Mein treues Pferd „Donnerhall“ wollte ich dafür nicht nehmen, da ich befürchtete er könne sich auf dem unebenen, gefrorenen Waldboden, und vor einen Karren gespannt, verletzten. So nahm ich eins der Arbeitspferde, die das Laufen vor einem Wagen gewohnt waren und spannte es an. Ich wußte wo ich suchen mußte, da ich oft im Wald war, wenn ich ein bißchen Ruhe und Entspannung brauchte. Eigentlich hatte ich insgeheim schon einen ausgesucht. Also war mein Ziel klar und so erreichte ich nach etwa einer halben Stunde die Stelle. Die Tanne war sehr mächtig und wunderschön gewachsen. Die Äste lagen voller Neuschnee, denn es hatte in der letzten Nacht geschneit. Ich begann mich daran zu machen die Tanne zu fällen und nach etwa einer weiteren halben Stunde hatte ich sie verstaut und auf den Wagen gebunden.

 

Als ich wieder in der Burg war, kam mir ein herrlicher Geruch von frisch gebackenem Kuchen und anderen Köstlichkeiten entgegen. Ich rief sofort die andern um mir zu helfen die Tanne hereinzubringen und aufzustellen. Zu meiner Überraschung waren sie sehr beeindruckt von dem Baum und meinten, ich hätte mich dieses Jahr aber bös ins Zeug gelegt. Gemeinsam schafften wir es den Baum in unser Eßzimmer zu schleppen und in dem oben erwähnten Ständer zu verkeilen. Jetzt war meine Arbeit zunächst erledigt und ich ging mich zuerst meinen dicken Klamotten entledigen. Ich hatte einen Riesenhunger und beschloß in der Küche nachzusehen, was da so lecker duftete.

 

Mareck und Elk waren unterdessen damit beschäftigt, allerlei Zeugs an den Baum zu hängen. Elk hatt im Laden im Dorf einige Kerzen besorgt, die mit Hilfe einer extra dafür geschnitzten Holzschale in denen die Kerzen steckten und an der ein Draht befestigt war, am Baum festgemacht wurden. Es gab außerdem noch weitere geschnitzte Holzfiguren. Diese Jahr hatte Ben Wahn von einen Glasbläser, bei dem er seine Phiolen kaufte einige Kugeln anfertigen lassen, die er mit einer speziellen Farbe bemalt hatte so daß sie glänzten und glitzerten wie ein Stück glühendes Metall. Elk hatte zusammen mit dem Schmied einen aus Draht geflochtenen Stern hergestellt, den er mit einer von Bens Farben golden angemalt hatte. Man konnte diese Spitze auf die oberste Baumspitze stecken, so daß man dachte der Stern hängt in der Luft und schaut auf uns herunter. Ich habe wie immer einige Winteräpfel und Wallnüsse gesammelt, an die ich einen dünnen Draht band. Mareck und Elk hatten also allerlei Zeit alle diese Sachen an den Baum zu hängen.

 

Wie schon gesagt zog mich der herrliche Geruch in die Küche, wo ich wie ich erwartete die Köchin vorfand die wieder allerlei Köstlichkeiten vorbereitete. Ein Wildschwein drehte sich über dem offene Feuer am Spieß und 5 oder 6 Töpfe köchelten auf dem Herd und gaben einen herrlichen Geruch von sich. Auch Ben war da, der wie jedes Jahr eines seiner herrlichen Getränke machte. Ich weiß nicht was er dazu nimmt, aber es muß auf jeden Fall Rotwein sein und einen bestimmter Schnaps, den er immer extra zu Weihnachen aus den Kneipe im Ort holt. Er mischt dann alles in einem großen Topf und erhitzt es auf dem Feuer, aber der eigentliche Geschmack kommt durch die herrlichen Gewürze die er darein gibt. „Hallo Spy“ begrüßte er mich. „Hast du den Baum geholt?“ „Ja, Ben. Mareck und Elk schmücken Ihn gerade“. „Ich hoffe du hast nicht wieder so einen mickrigen geholt, wie letztes Jahr“. „Nein, Ben, der ist besser. Was macht dein glühender Wein?“ „Ist gleich fertig, willst du mal probieren“. „Vielleicht später“. winkte ich ab. Ich hatte einmal den Fehler gemacht schon am Morgen von diesem Zeug zu trinken das herrlich schmeckt, unheimlich warm macht, aber leider auch sehr betrunken. Ich wäre damals fast in den Weihnachtsbaum gefallen und hätte die ganze Drachenburg angesteckt. Also widmete ich mich wieder meiner eigentlichen Intention. Mit Geschick und Charme gelang es mir der Köchin einige dieser kleine Minikuchen abzuluchsen, die Sie Plätzchen nannte. Ich liebte diese Dinger und hätte sie das ganze Jahr über essen könne, aber leider gab es die immer nur zu Weihnachten. „Du solltest auf deine Linie achten, Spy“ ranzte die Köchin mich an. „Seitdem Ihr hier auf der Drachenburg seid, hast du ganz schön zugelegt.“ „Ihr kocht zu gut Hertha, das ist alles“, scherzte ich und verließ glücklich die Küche.

 

Den Rest des Tages vertrieb ich mir mit Spazierengehen und dem Striegeln und Ausreiten  meines treuen Donnerhalls. Es war ein herrlicher Tag und der Frost und der neue Schnee hüllten die Landschaft in ihre weiße Decke ein. Als ich am späten Nachmittag wieder auf der Drachenburg eintraf, wurde es schon langsam dunkel. Ich band Donnerhall im Stall an und ein Bursche begann ihn zu putzen und zu füttern. „Gib Ihm eine extra Portion Hafer heute, und dann mach Feierabend. Heute ist doch Weihnachten.“ Der Stallbursche sah mich etwas verwundert an, nickte aber dann glücklich. „Frohe Weihnachten, Herr“. Die Belegschaft hatten sich im ersten Jahr schon etwas über die merkwürdigen Riten gewundert, die wir plötzlich pflegten, hatten sich aber im Laufe der Jahre das Fest auch zu eigen gemacht und pflegten an diesem Abend immer zusammen im Gemeinschaftsraum zu essen und sich kleine Geschenke zu geben. Diese kauften sie meist von dem extra Lohn den sie von uns zu Weihnachten erhielten. Apropos Geschenke. Jetzt wurde es aber Zeit für mich.

 

Natürlich pflegten auch wir die Sitte der Geschenke. Nur, daß wir die Geschenke ausschließlich von den DMP erhielten. Er erschien jedes Jahr am Weihnachtsabend mit einem großen Sack, um jedem von uns ein Geschenk zu machen. Das war eine schöne Sitte, denn er hatte immer schöne Sachen für uns. Irgendwie wußte er immer, was wir uns wünschten.

 

Als ich mich umgezogen hatte, und das Eßzimmer betrat, waren Mareck, Elk und Ben schon da. „Da bist du ja, wir dachten schon du kommst gar nicht mehr“. Der Baum sah wunderschön aus, und die Kerzen brannten. Die drei saßen um den Kamin und tranken von Bens glühendem Wein. „Willst du auch einen Krug“. fragte Ben. „Natürlich“ sagte ich und Ben füllte meinen Krug mit der großen Kelle, die im Topf hing. Es schmeckte herrlich und machte seinem Namen alle Ehre. Ich spürte wie die Hitze zu allererst in meine Ohren zog und ich hatte das Gefühl sie würden anfangen zu leuchten.

 

Durch das Fenster konnten wir sehen, daß es wieder angefangen hatte zu schneien. Die anderen erzählten sich noch mal die Geschichte von dem Hut und dem blauen Schwert und krümmten sich vor lachen. Ich sah ins Feuer und dachte an meinen „Vater“. Würde ich Ihn wohl je wiedersehen. Manchmal hatte ich schon ganz schön Heimweh. Der Gong der Köchin riß mich aus meinen Träumen und alle begaben sich zum Eßtisch. Der Geruch, den ich am Nachmittag wahrgenommen hatte, hatte nicht zuviel versprochen und das Essen war köstlich. Nachdem alle soviel gegessen hatten, wie sie nur konnten wurde es Zeit für den DMP.

 

So dauerte es auch nicht lange bis wir vernehmliche Schritte auf der Treppe hörten. Gefolgt von einem tiefen „Hohoho“. Das machte er immer so. Er sagte es gehöre dazu. Es klopfte an der Tür und ein Mann, in einen Mantel mit Kapuze und einem großen Sack betrat das Zimmer. Er hatte sich sogar einen Bart angeklebt, den er sich von der Theatergruppe geliehen hatte, die im Ort gastierten. Der DMP. „Hallo DMP“ rief ich, der mich finster ansah und auf mich zukam. „Ich bin nicht der DMP, wie kommst du denn darauf. Ich bin der WMP“. „Ach, so, ja natürlich“, stammelte ich verlegen. „Der WMP, wie konnte ich das nur vergessen“. So was Albernes. Er fragte die anderen, ob ich mich denn im letzten Jahr auch gut betragen habe, die das natürlich verneinten, und sich dabei ins Fäustchen lachten. „So“, sagte der WMP, „dann bekommst du dieses Jahr wohl kein Geschenk“. „Ich …. aber ich habe nichts gemacht.“ sagte ich traurig. Also, wenn das so sei, dann müsse ich wohl einen Reim aufsagen, um doch ein Geschenk zu bekommen. Immer ich. Jedes Jahr das gleiche. Immer muß ich einen Reim aufsagen. Im ersten Jahr mußte ich sogar ein Lied singen. Aber das haben wir dann gelassen, nachdem Ben sagte, wenn ich noch einmal singen würde, würde er mich in eine Kröte verwandeln. Nachdem ich also meinen Reim aufgesagt hatte, den Mareck extra für mich geschrieben hat, gab es Geschenke. Der DMP äh WMP hatte sich wirklich wieder Mühe gegeben. Er hatte für jeden ein Geschenk, das er in Stoff eingewickelt hatte und mit einer Stoffschleife geschmückt hatte. An jedem Paket hing ein Schild mit einem Namen darauf. Ich bekam einen neuen Hirschfänger, da meiner im letzten Jahr eine tiefe Scharte erhalten hatte, die sich nie mehr richtig rausschleifen lies. Mareck bekam einen neuen Köcher mit ganz tollen Pfeilen. Elk bekam neuen hakenbesetzte Schuhe und Stümpfe und Ben Wahn ein neuen Reisezauberbuch.

 

Nachdem alle Ihre Geschenke ausgepackt hatten setzten wir uns wieder an den Kamin und genossen eine Pfeife und noch einige Krüge von Bens glühendem Wein. Wir reden und scherzten bis spät in die Nacht. Bis uns die Augen zufielen und wir glücklich und müde zu Bett gingen. Das war ein schöner Tag und ein schöner Brauch, und nächste Woche hat Mareck Namenstag.

 

 

 

Spy

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