Erben der Drachenburg

Geschichten aus Golarion, Astani und Faerun

Der deutsche Orden

| 6 Kommentare

Als 1190 im Heiligen Land der Deutsche Orden gegründet wurde, war der Kreuzzug eigentlich schon abgefahren. Die Wiedereroberung Jerusalems war gescheitert; zwar hielten sich entlang der Mittelmeerküste noch die Reste der Kreuzfahrerreiche, doch zu deren Schutz und Verteidigung waren die bereits etablierten Ritterorden der Templer und Johanniter völlig ausreichend. Die Deutschen Ritter konnte da nur einpacken – aber sollten sie deswegen auch aufgeben? Es gab schließlich auch noch andere Fronten zwischen Christentum und „Heiden“, wenn man zu letzteren nicht nur die Gläubigen Mohammeds, sondern auch Anhänger diverser Naturreligionen zählte.

Da waren zum Beispiel die räuberischen Nomaden, die man Kumanen nannte und die immer wieder den Ostteil des Königreichs Ungarns heimsuchten. Also ließen sich die Deutschen Ritter dort als Grenzwache engagieren. Die damalige Ordensführung mit dem Hochmeister an der Spitze sah die Zukunft des Ordens aber nicht nur als „militärische Dienstleister“; sie wollten auch Herr über das Land sein, das sie eroberten und verteidigten. So kam es rasch zum Konflikt mit dem Ungarnkönig, aber ebenso rasch zu einem neuen Betätigungsfeld: Der Herzog des polnischen Masowien suchte Schutz gegen die baltischen Pruzzenstämme, und diesmal wurde vor vorneherein sichergestellt, dass die Deutschordensritter tatsächlich über das Land, das sie eroberten, regieren würden – sogar mit kaiserlichem Siegel. Die Zukunft des Ordens war gesichert und damit war ein neues und sehr erfolgreiches Kapitel in der Geschichte des Mittelalters eröffnet.

Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war der damalige Hochmeister, der ein Naturtalent an Diplomatie gewesen sein muss. Nicht nur war er ein enger Freund und Berater Kaiser Friedrichs II.; er verstand es, gleichzeitig ein gutes Verhältnis zum Papsttum zu unterhalten. Und die Päpste jener Zeit waren auf den Staufer gar nicht gut zu sprechen. Den endgültigen Bruch zwischen Kaiser und Papst konnte er aber auch nicht verhindern, und da er sich mit all seinen diplomatischen „Nebenjobs“ wenig um den Aufbau des jungen Ordensstaates kümmern konnte, kam es zum Bruch mit den eigenen Leuten. Der Hochmeister starb fern von jenem Land, das er für seinen Orden gesichert hatte.

6 Kommentare

Schreibe einen Kommentar